Über kaum ein Reiseziel kursieren so viele halbe Wahrheiten wie über mobiles Internet in der Türkei. Ein Teil davon stammt aus alten Erfahrungen, ein Teil aus Regeln, die es wirklich gibt und die sich von den europäischen unterscheiden. Sortieren wir das.
Die Sache mit der IMEI
In der Türkei gibt es eine Registrierungspflicht für Geräte. Ein aus dem Ausland mitgebrachtes Smartphone, das mit einer türkischen SIM-Karte betrieben wird, kann nach einer gewissen Zeit für die lokalen Netze gesperrt werden, wenn seine IMEI nicht registriert wurde. Die Registrierung ist kostenpflichtig und läuft über die Steuerbehörde.
Das ist der Grund, warum Leute erzählen, ihr Smartphone habe in der Türkei irgendwann aufgehört zu funktionieren. Aufgehört hat nicht das Gerät, aufgehört hat die türkische SIM-Karte darin.
Wichtig ist die Feinheit: Die Regel betrifft die Nutzung einer türkischen SIM-Karte. Eine Reise-eSIM bucht sich nicht als lokaler Vertragskunde ein, sondern als Gast in ein Partnernetz, genau wie deine eigene Nummer im Roaming. Damit fällt sie nicht in dieses Verfahren.
Roaming: die Türkei ist nicht in der EU
Auch für eine deutsche oder österreichische Nummer gilt hier die Regel vom Roaming wie zu Hause nicht. Abgerechnet wird nach der internationalen Preisliste deines Anbieters, und außerhalb Europas ist das auf vielen Reisen der teuerste einzelne Posten.
Manche Tarife schlagen einzelne Länder freiwillig auf das Inlandspaket, manche verkaufen Tagespässe für die Türkei. Beides ist besser als die Abrechnung pro Megabyte und beides kostet weiter mehr als ein lokaler Datentarif. Ein Blick in die Preisliste vor der Abreise lohnt sich also, schon damit du überhaupt etwas zum Vergleichen hast.
Für Schweizer Nummern gilt dasselbe, nur ohne den Zwischenschritt: Hier war ohnehin nie etwas inklusive.
Antalya und Istanbul verbrauchen nicht dasselbe
Das ist die nützlichste Unterscheidung überhaupt, und sie entscheidet über die Größe deines Tarifs.
Eine Woche Istanbul. Du läufst viel, du verläufst dich, und die Karten laufen praktisch durchgehend. Dazu kommen eine Übersetzungs-App, eine App für den Nahverkehr und eine für Fahrten, weil das Aushandeln eines Preises auf der Straße selten die bessere Idee ist. Rechne mit 3 bis 5 GB. Wenn du täglich filmst und postest, nimm 10 GB.
Eine Woche Antalya, Side oder Belek. Du bist den größten Teil des Tages an einem Ort und oft im Wi-Fi der Anlage. Hier reichen 3 GB für eine Woche meistens locker, und der Tarif deckt vor allem die Ausflüge, den Transfer und die Abende außerhalb ab.
Der Unterschied liegt nicht am Land, sondern daran, wie viele Stunden pro Tag du unterwegs bist.
Was im Pauschalurlaub wirklich Daten kostet
Vier Posten, die im Voraus fast nie eingeplant werden.
Der Transfer. Zwischen Flughafen und Hotel willst du sehen, wo du bist und wie lange es noch dauert. Das ist die erste Stunde nach der Landung, also genau die Stunde, in der noch niemand ein Wi-Fi hat.
Die Ausflüge. Kappadokien, Pamukkale, Ephesus, ein Bootstag: Treffpunkt, Uhrzeit und Rückfahrt werden per Nachricht geklärt, und der Anbieter meldet sich, wenn der Bus später kommt.
Die Übersetzungs-App mit der Kamera. Verbraucht mehr, als man denkt, vor allem wenn du sie in jedem Restaurant auf die Karte hältst.
Der dolmuş und der Nahverkehr. Sobald du dich aus der Anlage bewegst, brauchst du eine Karte, die weiß, wo du aussteigen musst.
Welche Netze du nutzt
In der Türkei arbeiten Turkcell, Vodafone TR und Türk Telekom. Dein Smartphone sucht sich selbst das Netz mit dem besten Signal und wechselt automatisch, sobald das erste nachlässt. Einstellen musst du dafür nichts.
Auf den touristischen Strecken, entlang der Küste und in Kappadokien ist die Netzabdeckung gut. In den Bergen und auf langen Etappen quer durch Anatolien wird das Signal schwächer, so wie überall auf der Welt in solchem Gelände. Wenn deine Route dorthin führt, lade die Offline-Karte vorher herunter.
Das Hotel-Wi-Fi und was es nicht abdeckt
In den großen Anlagen gibt es Wi-Fi, und oft funktioniert es in der Lobby und im Restaurant gut. Im Zimmer und am Strand wird es dünner, und manchmal ist die Zahl der gleichzeitig angemeldeten Geräte begrenzt, was für eine Familie schnell zu wenig ist.
Das eigentliche Problem ist aber ein anderes: Wi-Fi gibt es genau dort nicht, wo du das Internet brauchst. Im Bus, auf dem Markt, im Gespräch mit dem Anbieter eines Ausflugs, auf dem Weg zurück, wenn der Abend länger geworden ist als geplant.
Deshalb lautet die Empfehlung nicht, möglichst viele Gigabyte zu kaufen, sondern einen Tarif zu haben, der außerhalb der Anlage funktioniert.
Installieren vor dem Abflug
Für den Download des Profils brauchst du Internet, und die Ankunftshalle mit Koffer in der Hand ist nicht der Ort, an dem du nach einem offenen Netz suchen willst.
Also zu Hause im Wi-Fi installieren, ein oder zwei Tage vorher. Die Gültigkeit startet nicht bei der Installation, sondern erst, wenn sich das Profil zum ersten Mal in ein Netz in der Türkei einbucht. Eine Woche früher zu installieren kostet dich keinen Tag.
Nach der Landung sind es drei Handgriffe: die mobilen Daten auf das eSIM-Profil stellen, das Datenroaming für dieses Profil eingeschaltet lassen und das Datenroaming für deine eigene SIM-Karte ausschalten. Meldet sich das Netz nicht sofort, hilft der Flugmodus für zehn Sekunden.
Deine Nummer bleibt deine Nummer
Es passiert nichts damit. Deine eigene SIM-Karte bleibt im Smartphone, deine Nummer empfängt weiter Anrufe und SMS, auch die Bestätigungscodes deiner Bank. WhatsApp hängt an der Nummer und nicht an der Karte und läuft deshalb unverändert weiter, nur über die Daten der eSIM.
Was sich ändert, ist einzig die Leitung, über die die mobilen Daten laufen.
Kurz gefasst
Die Türkei ist nicht kompliziert, sie ist nur anders. Installier vor dem Abflug, wähl die Größe des Tarifs danach, ob du in die Stadt oder ans Meer fährst, und schalte das Datenroaming deiner eigenen SIM-Karte aus. Dann ist die Frage nach dem Internet geklärt, bevor du das Haus verlässt.
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