Die Fahrt beginnt meistens nachts. Kofferraum voll, Kinder hinten, Kaffee an der ersten Raststätte hinter der Grenze. Zwei Tage später steht das Auto vor einem Haus in Bosnien, in Serbien, im Kosovo oder in Nordmazedonien, und irgendwo dazwischen lagen vier Übergänge und eine Menge Strecke ohne Ortsschild.
Auf so einer Fahrt ist das Smartphone kein Spielzeug, sondern das Navigationsgerät, die Musikanlage und die Verbindung zu allen, die schon da sind. Hier steht, wie du es über die ganze Strecke am Laufen hältst.
Die Strecke, auf der sich das Roaming zweimal ändert
Die klassische Route führt über Österreich nach Ungarn und dann nach Süden, oder über Slowenien und Kroatien. Beides sind EU-Länder, und mit einer deutschen oder österreichischen Nummer bist du dort im Roaming wie zu Hause. Es ändert sich nichts, es kostet nichts extra, du musst nichts tun.
Der Wechsel kommt am ersten Übergang nach draußen: Röszke/Horgoš oder Tompa/Kelebija aus Ungarn nach Serbien, Bajakovo/Batrovci aus Kroatien nach Serbien, Stara Gradiška/Gradiška aus Kroatien nach Bosnien und Herzegowina. Ab dort gilt die EU-Regel nicht mehr.
Serbien, Bosnien und Herzegowina, der Kosovo und Nordmazedonien gehören nicht zur Europäischen Union. Die Länder des Westbalkans haben untereinander ein Abkommen über günstigeres Roaming, und seit 2023 sind die Preise auch für Nummern aus der EU gesenkt. Günstiger ist aber nicht kostenlos: Abgerechnet wird nach der Preisliste deines eigenen Anbieters, und dort schaust du besser vorher nach als hinterher.
Für eine Schweizer Nummer beginnt die Rechnung schon in Österreich. Die EU-Regel gilt für sie auf keinem einzigen Abschnitt der Strecke.
Ein Tarif oder vier
Die Faustregel ist einfach. Ein Land: nimm den Tarif für dieses Reiseziel, pro Gigabyte ist er günstiger. Zwei Länder oder mehr: nimm den regionalen Tarif.
Ein Balkan-Tarif deckt Kroatien, Bosnien und Herzegowina, Serbien, Montenegro, Albanien, Nordmazedonien und den Kosovo mit einem einzigen Profil ab. An der Grenze stellst du nichts um. Dein Smartphone sucht sich im nächsten Land selbst das Partnernetz.
Die Ersparnis ist real, aber der größere Gewinn ist ein anderer: Du hältst nicht an. Auf einer Fahrt mit vier Übergängen sind zehn Minuten vor einem Shop zehn Minuten, die du nicht eingeplant hattest, und die immer dann anfallen, wenn hinten alle schon quengeln.
Wo das Signal wirklich weg ist
Das ist der Teil, den fast alle unterschätzen. Nicht weil die Netze schlecht wären, sondern weil die Geografie kein Interesse an deinem Tarif hat.
Bergstraßen in Bosnien. Zwischen den Städten geht es über Pässe und durch Täler, in denen kein Netz mehr ankommt. Die Strecke Richtung Jajce und die Straße über das Ivan-Sattel-Gebiet zwischen Sarajevo und Konjic sind dafür typisch.
Die Neretva-Schlucht. Zwischen Konjic und Mostar wechseln sich Tunnel, Fels und Fluss ab. Genau dort ist die Aussicht am besten und die Verbindung am schlechtesten.
Lange Tunnel und Schluchten in Serbien. Auf der Autobahn ist die Netzabdeckung gut, auf den Landstraßen durch die Berge fällt sie streckenweise aus, und zwar bei allen Netzen gleichzeitig.
Die Übergänge selbst. An der Grenze machen alle dasselbe wie du, nämlich das Smartphone anschauen. Die Verbindung wird dort spürbar zäh, obwohl das Signal voll aussieht.
Die Lösung kostet nichts: Lade vor der Abfahrt die Offline-Karten aller Länder auf der Route herunter. Die Navigation läuft dann auch ohne Daten weiter, und das Internet brauchst du nur noch für Änderungen am Plan.
Die ersten fünf Minuten in einem neuen Land
Wenn du eine Grenze überquerst, sucht dein Smartphone von selbst das Partnernetz im neuen Land. Das dauert meistens ein paar Sekunden, manchmal zwei Minuten.
Passiert nichts, schalte den Flugmodus für zehn Sekunden ein und wieder aus. Das zwingt das Gerät zu einer neuen Netzsuche und löst neun von zehn Fällen.
Eine Kleinigkeit, die regelmäßig verwirrt: Solange du direkt am Übergang stehst, hält dein Smartphone oft noch das Netz des Landes, aus dem du gerade herausfährst, weil dessen Signal an dieser Stelle stärker ist. Nach ein paar Kilometern wechselt es von allein.
Wie viele Daten ein volles Auto braucht
Unterwegs verbrauchen nicht die Karten das meiste, sondern die Musik und die Fotos. Navigation liegt bei ungefähr 5 bis 10 MB pro Stunde. Gestreamte Musik liegt je nach Qualität eher bei 50 bis 150 MB pro Stunde. Und Fotos, die im Hintergrund in die Cloud hochgeladen werden, sind auf so einer Fahrt oft der größte einzelne Posten.
Für eine Woche über zwei oder drei Länder ist ein Tarif mit 5 GB bequem. Wenn im Auto mehrere Leute am Hotspot hängen und hinten ein Tablet läuft, nimm 10 GB.
Zwei Dinge vor der Abfahrt halbieren den Verbrauch fast von selbst: Playlists und Folgen zu Hause herunterladen, und das Foto-Backup auf Wi-Fi umstellen. Ein Tablet mit heruntergeladenen Filmen ist außerdem die einzige zuverlässige Lösung für die Stunden, in denen es sowieso kein Netz gibt.
Welche Netze in welchem Land
Du wählst nie selbst aus, aber es hilft zu wissen, was dein Smartphone da anzeigt.
- Bosnien und Herzegowina: BH Telecom, m:tel, HT Eronet
- Serbien: Telekom Srbija, A1 Srbija, Yettel
- Kosovo: Vala, IPKO
- Nordmazedonien: Makedonski Telekom, A1 Makedonija
Das Gerät nimmt das Netz mit dem besten Signal und wechselt automatisch, sobald das erste schwächer wird. Nur wenn die Verbindung an einem festen Ort dauerhaft langsam bleibt, obwohl das Signal voll aussieht, lohnt es sich, in den Netzeinstellungen von Hand ein anderes Partnernetz zu wählen.
Papiere und Übergänge
Eine Sache, die nicht in unser Fach fällt und die trotzdem jede Fahrt betrifft: Welche Dokumente du brauchst und welche Übergänge für deine konkrete Route in den Kosovo und wieder heraus funktionieren, klärst du vor der Abfahrt bei den offiziellen Stellen. Die Lage kann sich ändern, und ein Reiseratgeber ist dafür die falsche Quelle - auch dieser hier.
Was wir sagen können: Sobald du drüben bist, funktioniert das Internet im Kosovo genauso unspektakulär wie überall sonst, über Vala oder IPKO, ohne dass du etwas einstellen musst.
Was du herunterlädst, bevor du losfährst
Alles, was du unterwegs brauchst und was nicht auf dein Netz warten soll:
- Offline-Karten für jedes Land auf der Route, nicht nur für das Ziel
- Playlists, Podcasts, Hörbücher
- Filme und Serien auf das Tablet für die Rückbank
- die Adresse der Unterkunft als Notiz, nicht nur als Link in einer E-Mail
- Buchungen und Bestätigungen als PDF oder Screenshot
Die Liste für den Abend vor der Abfahrt
- eSIM-Profil zu Hause im Wi-Fi installieren. Die Gültigkeit startet erst an der ersten Grenze.
- Offline-Karten für alle Länder auf der Route herunterladen.
- Musik, Podcasts und Filme herunterladen.
- Foto-Backup auf Wi-Fi stellen, automatischen Videostart ausschalten.
- Datenroaming für die eigene SIM-Karte ausschalten.
- Ladekabel fürs Auto einpacken. Ein Smartphone, das den ganzen Tag navigiert, hält bis zum Nachmittag und keine Minute länger.
Am Ende
Diese Fahrt lebt davon, dass man unterwegs umplant: eine Nacht länger bleiben, einen Umweg über den See nehmen, jemanden abholen, der plötzlich doch mitkommt. Das geht nur, wenn das Smartphone mitspielt. Zehn Minuten Vorbereitung am Vorabend sind der Preis dafür.
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