Die häufigste Sorge vor der ersten Reise mit einer eSIM ist nicht die Installation. Es ist die Frage, ob danach noch alles funktioniert: die eigene Nummer, WhatsApp, und vor allem die Freigabe, die deine Bank verlangt, wenn du unterwegs etwas überweisen musst.
Die kurze Antwort: Es funktioniert alles weiter, weil sich nur eine einzige Sache ändert. Die lange Antwort erklärt, welche das ist.
Zwei Leitungen, ein Smartphone
Eine eSIM ersetzt deine SIM-Karte nicht. Das Profil kommt als zweite Leitung dazu.
Deine eigene SIM-Karte bleibt im Smartphone und behält ihre Aufgabe, nämlich deine Telefonnummer und damit Anrufe und SMS. Das eSIM-Profil ist ein reiner Datentarif und hat gar keine Telefonnummer.
In den Einstellungen deines Smartphones stellst du deshalb nur eine Sache um, nämlich welche Leitung die mobilen Daten trägt. Alles andere bleibt, wie es war.
Datenroaming aus heißt nicht Telefon aus
Das ist der Punkt, an dem die meisten unsicher werden, und es ist der wichtigste im ganzen Text.
Wenn du für deine eigene SIM-Karte das Datenroaming ausschaltest, schaltest du genau eine Sache ab: die Möglichkeit, dass Apps über deinen Anbieter zu Hause Daten verbrauchen. Deine Nummer bleibt eingebucht. Anrufe kommen an. SMS kommen an. Auch der Code deiner Bank kommt an.
Anrufe und SMS laufen nicht über die Datenverbindung, sondern über einen eigenen Kanal des Netzes. Deshalb schließen sich die beiden Dinge nicht aus, und deshalb ist die Kombination aus Datenroaming aus für deine SIM-Karte und Datenroaming an für das eSIM-Profil die richtige.
Ja, für das eSIM-Profil muss das Datenroaming eingeschaltet sein. Das klingt verkehrt, wenn man gerade Roaming-Kosten vermeiden wollte, ist aber technisch korrekt: Das Profil bucht sich als Gast in ein lokales Netz ein, und dein Smartphone nennt das Roaming. Ohne diese Einstellung passiert nichts.
Die TAN deiner Bank: drei Verfahren, drei Ergebnisse
Deutsche und österreichische Banken nutzen unterschiedliche Freigabeverfahren, und jedes verhält sich im Ausland anders. Es lohnt sich zu wissen, welches du hast, bevor du am Flughafen stehst.
pushTAN, photoTAN und App-Freigaben. Das Verfahren läuft über eine App, und die App braucht eine Datenverbindung. Über die eSIM hat sie die. Das ist der häufigste Fall und der unkomplizierteste.
SMS-TAN, wo es sie noch gibt. Der Code kommt als SMS auf deine Nummer, also über deine eigene SIM-Karte. Dafür muss sie im Smartphone bleiben und eingebucht sein. Das ist sie, solange du nicht den Flugmodus für alles anlässt. Das Datenroaming darf dabei ausgeschaltet sein.
chipTAN mit Kartenleser. Braucht gar keine Verbindung. Wenn du das Gerät dabei hast, funktioniert es überall, auch im Funkloch.
Ein Sonderfall, an den kaum jemand denkt: Manche Freigabe-Apps sind an das Gerät gebunden, auf dem sie eingerichtet wurden. Wenn du für die Reise ein anderes Smartphone mitnimmst, richte das Verfahren zu Hause ein und probier es einmal aus, solange du noch beim Support anrufen kannst.
Authenticator-Apps brauchen überhaupt nichts
Die sechsstelligen Codes aus einer Authenticator-App werden im Gerät selbst berechnet, aus einem Schlüssel und der Uhrzeit. Dafür brauchen sie weder Netz noch Daten.
Das macht sie zur robustesten Form der zweiten Bestätigung auf Reisen. Wo ein Dienst dir die Wahl lässt zwischen SMS und einer Authenticator-App, ist die App unterwegs die bessere Entscheidung.
Und der Klassiker, der jede Reise ruinieren kann: Wenn die Codes nur auf einem einzigen Gerät liegen und dieses Gerät verloren geht, kommst du an nichts mehr heran. Speicher deine Ersatzcodes vor der Abreise irgendwo ab, wo sie nicht im selben Rucksack liegen.
WhatsApp, Signal, Telegram
Diese Apps hängen an deiner Telefonnummer, nicht an der SIM-Karte. Solange die Nummer dieselbe bleibt, und das tut sie, ändert sich für diese Apps nichts. Alles läuft einfach über die Daten der eSIM.
Du wirst also nicht abgemeldet, du musst dich nicht neu verifizieren und deine Gruppen bleiben, wo sie sind. Wer dir schreibt, merkt überhaupt nichts.
Dasselbe gilt für Sprach- und Videoanrufe in diesen Apps, mit einer Einschränkung: In einigen Ländern können Sprachanrufe über bestimmte Apps eingeschränkt sein. Das liegt an lokalen Regeln und betrifft jede Verbindung im Land gleichermaßen, auch das Wi-Fi im Hotel.
Anrufe annehmen kann außerhalb der EU Geld kosten
Innerhalb der Europäischen Union ist ein angenommener Anruf für eine EU-Nummer nichts Besonderes. Außerhalb steht in vielen Preislisten auch das Annehmen im Tarif, nicht nur das Anrufen.
Damit hängt eine Falle zusammen, die viele erst auf der Rechnung sehen: die Mailbox. Ein Anruf, den du nicht annimmst und der auf die Mailbox umgeleitet wird, kann als weitergeleiteter Anruf ins Ausland gezählt werden. Wenn du länger außerhalb der EU unterwegs bist, ist es die Überlegung wert, die Mailbox vor der Abreise abzuschalten.
Der praktische Weg drumherum: Verabrede mit den Leuten zu Hause, dass sie dich über eine App anrufen. Das läuft über die Daten der eSIM und ändert an deiner Rechnung gar nichts.
Das Kostenlimit deines Vertrags ist eine Notbremse, kein Tarif
Verträge aus der Europäischen Union haben ein voreingestelltes Kostenlimit für Datenroaming, das auch außerhalb Europas greift. Ist es erreicht, wird die Datenverbindung gekappt, bis du aktiv zustimmst.
Das schützt dich vor der ganz großen Rechnung. Es ist aber keine günstige Lösung, sondern eine Notbremse: Bis das Limit erreicht ist, hast du den Betrag ja bereits ausgegeben. Und es greift nur bei Daten, nicht bei Anrufen und SMS.
Verlass dich also nicht darauf. Es ist der Airbag, nicht die Bremse.
Wenn du unterwegs das Smartphone wechselst
Ein eSIM-Profil ist an das Gerät gebunden, auf dem es installiert wurde, und wandert nicht von selbst auf ein neues. Manche neueren Modelle können ein Profil übertragen, aber das hängt sowohl vom Gerät als auch vom Anbieter ab.
Die praktische Regel: Lösch ein Profil nie, solange der Tarif noch läuft. Derselbe QR-Code lässt sich kein zweites Mal installieren. Wenn du unterwegs das Smartphone wechseln musst, schreib erst dem Support und lösch danach.
Und speicher vor der Abreise drei Dinge im Gerät und zusätzlich irgendwo außerhalb davon: den QR-Code als Bild, die SM-DP+-Adresse mit dem Aktivierungscode für die manuelle Eingabe, und deine Bestellnummer. Genau danach fragt der Support, und genau dann hast du keinen Zugriff auf deine E-Mails.
Die Reihenfolge, die funktioniert
- Zu Hause im Wi-Fi das eSIM-Profil installieren und ihm einen Namen geben, den du wiedererkennst.
- Prüfen, welches TAN-Verfahren deine Bank nutzt, und es einmal ausprobieren.
- Ersatzcodes deiner Authenticator-App an einem zweiten Ort sichern.
- Bei längeren Reisen außerhalb der EU überlegen, ob die Mailbox aus soll.
- Am Reiseziel: mobile Daten auf das eSIM-Profil, Datenroaming für dieses Profil an.
- Datenroaming für die eigene SIM-Karte aus. Deine Nummer bleibt trotzdem erreichbar.
Danach ist dein Smartphone im Ausland genau das, was es zu Hause auch war. Nur die Leitung darunter ist eine andere.
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